Es wird wieder gefärbt

Blauholz und Cochenille

Stoffe färben mit Naturfarben

Hühner, Sauerteigbrote und Maskennähen - viele Menschen haben sich in den letzten Monaten einem Coronaprojekt gewidmet.  Es tat gut, wenn man den Fokus zwischendurch auch auf anderes richten konnte, als Virus, Homeoffice und Fernunterricht.

So ging es auch mir. Mein persönliches Coronaprojekt: das Färben von Stoffen mit natürlichen Mitteln. Anfänglich mit Rosmarin aus dem Garten (das einzige, was ich Anfangs April in meiner näheren Umgebung massenhaft vorfand), weiter über diverse Küchenreste (Kaffeesatz, halbverfaulte Aubergine usw.) bis nun zu etwas exotischeren Färbestoffen. 

Das Färben entsprach im Tempo perfekt zum verlangsamten und dennoch herausfordernden Alltag. Die einzelnen aktiven Schritte dauerten jeweils nicht sehr lange: z.B. das Vorbereiten der Beize oder das Raspeln der Avocadokerne. Dazwischen siedete das Farbbad dann stundenlang leise vor sich hin oder die Stoffe badeten tagelang in der Beize. Bis ich einfach wieder Zeit und Muse für den nächsten Schritt hatte. Mehr darüber nachzulesen gibt es übrigens auch in meinem letzten Blogbeitrag.

Entgegen meinem Ursprungsgedanken, nur Färbematerial aus meiner Umgebung zu verwenden, verfiel ich vor kurzem dennoch der Verlockung von kräftigeren Farbtönen. Nachdem bisher alle Färberesultate trotz verschiedensten Versuchen sehr hell geblieben sind, brauchte ich ein garantiertes Erfolgserlebnis. Und so bestellte ich mir unter anderem ausnahmsweise Blauholzraspeln und Cochenille-Döschen. 

Blauholz kommt vom Blutholzbaum, welcher hauptsächlich in Zentralamerika, im nördlichen Südamerika sowie in der Karibik heimisch ist.

Cochenille ist eine Schildlausart, welche ebenfalls aus Zentral- und Südamerika kommt. Von den Weibchen gewinnt man den Farbstoff Karmin, welcher als Farbstoff (E120) in Lebensmitteln, in der Kosmetik und der Medizin verwendet wird. Die ältesten gefundenen Textilien, die wohl mit Cochenille gefärbt worden sind, wurden in Peru gefunden und stammen aus vorchristlicher Zeit. Vermutlich wurden Cochenille aber bereits noch früher in Mexiko verwendet. Eines ist aber sicher: die Farbe ist nicht vegetarisch.

Cochenille
Getrocknete Cochenilleschildläuse

Nach dem ersten farblichen Austoben im April/Mai bin ich es dieses Mal etwas systematischer angegangen:

  1. Ich habe dreierlei Baumwollstoffe gekauft (ich komme später detailierter darauf zurück)
  2. Ich habe die Stoffe (fast) genau nach Anleitung gebeizt
  3. Ich habe fotografisch dokumentiert

Vorab: alle Stoffe habe ich mehrmals vorgewaschen und dann mehrere Stunden gebeizt mit 20% Alaun, 6% Soda und etwa 8% Weinstein (jeweils zum Trockengewicht des Stoffes). Da ich die Stoffe in grösseren Mengen beize, lasse ich sie anschliessend trocknen.

Färberesultate mit Blauholz

Mit Blauholz gefärbte Baumwollstoffe
Mit Blauholz gefärbte Baumwollstoffe

Ich habe mir von allen drei Stoffen ein Stoffstück abgeschnitten und alle drei gemeinsam gewogen. Von den Blauholzraspeln habe ich dann etwa 50% des Stoffgewichts abgewogen. Der Stoff legte ich dann zuerst für mehrere Stunden in ein Wasserbad. Zeit also, um den Färbesud vorzubereiten: ich übergoss die Holzraspeln mit kochendem Wasser, liess es kurz ziehen und leerte dann so viel heisses Wasser nach, bis es soviel Wasser im Topf hatte, dass die Stoffstücke dann gut darin schwimmen konnten und fügte noch 2-3 Esslöffel Eisenessigbeize hinzu. Diesen Färbesud liess ich nun etwas über eine Stunde lang leicht köcheln, stellte dann die Herdplatte ab und liess alles so über Nacht stehen. Am nächsten Morgen holte ich die Stoffstücke aus dem Wasserbad und legte sie in den Färbesud. Ich liess alles zusammen nochmals kurz aufköcheln, stellte den Herd dann wieder ab und liess den Stoff dann bis gegen Abend im Färbebad ziehen. Natürlich rührte ich immer wieder mal um. Am Ende der Geduld, am Abend, nahm ich die Stoffstücke aus dem Bad, spülte sie kurz (!) von Hand mit warmen Wasser aus und liess sie trocknen. 

 

Das Ergebnis seht ihr oben, die verwendeten Stoffe sind:

  • Organic Narrow Cotton, naturrein (Stoffgewicht 190g/m2)
  • Organic Narrow Cotton, weiss (Stoffgewicht 190g/m2)
  • Bio-Popeline, cremefarben (Stoffgewicht 130g/m2)

Alle drei sind 100% Baumwolle (GOTS-zertifiziert)

 

Ich finde es spannend, wie deutlich man den Farbunterschied sieht!

Färberesultate mit Cochenille

Stoffe färben mit Cochenille

Der Versuchsaufbau beim Färben mit Cochenille war genau gleich wie beim Blauholz. Auch hier habe ich wieder 50% des Gewichtes der zu färbenden Stoffstücke (im trockenen Zustand) vom Färbematerial, also den Schildläusen, abgewogen. Nach dem Färben habe ich diese Stoffe ebenfalls nur kurz (!) mit Wasser ausgespült. Und auch hier sieht man die Farbunterschiede wieder sehr gut.

  1. Organic Narrow Cotton, naturrein (Stoffgewicht 190g/m2)
  2. Organic Narrow Cotton, weiss (Stoffgewicht 190g/m2)
  3. Bio-Popeline, cremefarben (Stoffgewicht 130g/m2)

Bei dieser Färbung sind allerdings viele Flecken (auf allen drei Stoffstücken) entstanden. Ich weiss nicht genau wieso, auch hier habe ich die Stoffe im Färbebad regelmässig umgerührt. Mir gefällt aber der "Batik"-Effekt.

Weitere Experimente – Batik und Shibori

Shibori Cochenille
Shibori mit Cochenille

Das linke, kleine Stoffstück (Popeline) habe ich zeitgleich mit den anderen drei Stoffstücken mitgefärbt. Anschliessend habe ich aber die Enden noch etwa 30 Minuten in das Rest-Farbbad von der Blauholzfärbung hängen lassen. 

 

Da die Farbbäder (Cochenille und Blauholz) beide noch nach viel Farbkraft aussahen fand ich es zu schade, um sie einfach wegzuleeren. Und so begann ich mit diversen Batiktestereien:

Das rechte, grosse Stoffstück (Popeline) habe ich Shibori-mässig gedreht, um eine Metalstange gewickelt und spiralförmig mehrfach mit Schnüren umwickelt. Das Stoffpäckchen habe ich dann zuerst wieder gewässert und dann für ein paar Stunden (diesmal nicht so lange, so eine Geduldsgeschichte...) in den Cochenille-Farbsud gelegt. 

Shibori mit Blauholz
Shibori mit Blauholz

Beim Blauholz-Shibori-Test war ich etwas zurückhaltender mit Falten. Hier verwendete ich einfach mehrere Holzspachtel und eben natürlich wieder Schnur.

 

Farblich ist das Batikstück nicht mehr ganz so intensiv geworden, wie die Stoffe im ersten Färbedurchgang im Blauholzfarbbad. Das kann aber auch daran liegen, das ich es auch nur etwa halb so lang im Färbesud liegen gelassen habe. Ausserdem hat es einen leicht violetten Stich.

Shibori Cochenille
Shibori mit Cochenille

Die Färbebäder enthalten noch immer genug Pigmente (nächstes Mal reichen wohl auch 30% Färbemateriel/Stoffgewicht...). Am Sonntag ist dann deshalb noch ein weiteres Shibori-Teststück entstanden. Dieses habe ich nach dem Baden im Cochenille-Färbebad noch für etwa 30 Minuten in ein Blauholzfarbsud/Eisenessig-Gemisch gelegt, daher die teilweise etwas dunkleren Stellen.

 

Die beiden Färbe-Restsude habe ich nun in grosse Einmachgläser umgeleert und lagere sie nun im Keller. Ich werde wohl in den nächsten Tagen weitere Batik/Shibori-Experimente machen.

Liebe Grüsse

Franzisca


***unbeauftragte Werbung***

Bezugsquellen:

 

Stoffe:

Organic Narrow Cotton, naturrein

Organic Narrow Cotton, weiss 

Bio-Popeline

→ alle von Merchant & Mills, gekauft bei Yingdesign (Schweiz)

 

Farben:

Eierfarbe 'Blauholz'

Eierfarbe 'Cochenille'

→ von Dixa Heilkräuter, gekauft bei Kräuterlokal.ch


Kommentar schreiben

Kommentare: 4
  • #1

    Corinna (Montag, 22 Juni 2020 16:14)

    Liebe Franziska!
    Vielen Dank für deinen interessanten Einblick in deine Färbungen. Mir gefallen deine Ergebnisse sehr, besonders die Shiboritechniken. Viel Spaß beim nächsten Färbeversuch! Ich mag ja die Farbe, die mit Cochenille erreicht wird sehr gern, aber ich mag keine Tiere zum Färben verwenden.�
    Liebe Grüße, Corinna

  • #2

    Franzisca (Montag, 22 Juni 2020 17:00)

    Liebe Corinna
    Vielen Dank für deinen Kommentar, ich freue mich darüber :-)
    Ich habe mir bei beiden Färbestoffen lange überlegt, ob ich sie bestellen soll. Auch wenn die Ergebnisse toll sind, fühle ich mich tatsächlich nicht 100% gut dabei. Es fühlt sich nicht gleich 'natürlich' an, wie wenn ich die Färbematerialien selber einsammle. Und dass Cochenille Tiere sind, widerstrebt mir tatsächlich auch und es wird wohl darum bei diesem einen Versuch bleiben. Ich versuche nun wenigstens die Farbbäder so gut aufzubrauchen, bis fast keine Pigmente mehr drin sind, so dass immerhin möglichst wenig verschwendet wird.
    Du siehst, ich habe ein schlechtes Gewissen... ;-)
    Liebe Grüsse
    Franzisca

  • #3

    Ein-kleiner-Blog (Dienstag, 23 Juni 2020 01:02)

    Oh, das sieht gut aus. Ich wollte immer schon mal mit natürlichen Farben Wolle färben. Danke für den Link!
    LG Elke

  • #4

    Franzisca (Dienstag, 23 Juni 2020 07:35)

    Danke dir Elke!
    Hier noch ein Linktipp-Netzfund, wo ich auch so einiges Hilfreiches zum Thema Färben gefunden habe: https://www.wilde-farben.de/

    Liebe Grüsse und viel Spass
    Franzisca