Deco The Halls Quilt - oder: Geduld, geduld!

Deco The Halls Quilt von Sew Kind of Wonderful

Ziemlich naiv fing ich vor über einem Jahr mit der konkreteren Planung dieses Quiltes an. Zuvor sind allerdings schon mehrere Monate ins Land gezogen, bis ich mich für eine geeignete Kombination von Stoffen und Patchworkmuster entschieden hatte. Die Kombi sollte nämlich "schnell" und "einfach" auf einer Langarmquiltmaschine zu quilten sein. Meine Langarmquilt-Kenntnisse soweit: 0. Zero. Nicht vorhanden. 

 

Nun also vor etwa einem Jahr stand fest, dass es der "Deco The Halls" Quilt von Sew Kind of Wonderful sein wird. Ausschlaggebend war für mich das klare Muster und vor allem, dass ich nur drei verschiedene Stoffe dazu brauchte. Beim Stoffe zusammenstellen tu ich mich nämlich etwas schwer, da fühl ich mich immer wieder ein wenig wie die Katze, die nach dem eigenen Schwanz jagt – vor allem wenn ich online Patchworkstoffe suche(n muss).

Mit meinem nun ziemlich konkreten Plan also kontaktierte ich letzten Sommer das Creative Center von BERNINA in Steckborn/Schweiz. Dort stehen (mittlerweile) 5 grosse Longarm-Quilting Maschinen, die man z.B. im Rahmen von zweitägigen Workshops selbstständig benutzen kann.

Wie gesagt, ziemlich naiv stellte ich mir nun also vor, so husch mal einen Wochenend-Workshop zu besuchen und dabei dann so ruckzuck das Langarmquilten zu lernen und meinen Quilt bis Sonntagabend fertig zu quilten...

 

Nun, kurz zusammengefasst: so schnell ging das natürlich überhaupt nicht. Mein Weg führte mich zuerst über einen eintägigen Longarmquilting-Basiskurs, um dann vorbereitet und mit einer realistischeren Erwartung an diversen Wochenend- und Abendkursen an meinem Quilt zu arbeiten. Insgesamt waren es dann über 36 Stunden quilten, verteilt auf ein halbes Jahr!

 

Die Zeit hat sich gelohnt und das Arbeiten an dieser imposanten Maschine hat mir so gut gefallen, dass ich mich gegen Ende tatsächlich ein bisschen leer und traurig fühlte. Aber es war nicht nur die Arbeit mit der Langarmmaschine die mich fasziniert hat - auch die Gesellschaft der anderen Quilterinnen und der BERNINA-Langarmspezialistin Karin Lüthold war so inspirierend und familiär, dass ich mich richtig zu Hause gefühlt hatte! Ich komme wieder!

Longarm Quilting Machine Bernina Q24

Langarmquilting was?! Ein kurzer Erklärungsversuch:

Quilten ist ja sozusagen das Zusammennähen oder -steppen von drei Schichten: einem Oberstoff, einem Vlies in der Mitte und einem Rückseitenstoff. Das kann man per Hand machen oder mit der Maschine. Mit der normalen Haushalts-Nähmaschine hat man die Maschine auf dem Tisch stehen und bewegt dann denn Stoff unter der Nadel dem gewünschten Muster entsprechend.

Sprich Maschine steht an Ort, Stoff bewegt sich.

 

Bei der Langarm-Quiltmaschine ist es umgekehrt: man fixiert den Quilt unten und oben an Rollen und spannt ihn, indem man die Rollen wiederum am Rahmen fixiert. Und nun bewegt man den Maschinenkopf im gewünschten Muster über den Quilt, entweder freihand (z.B. einem eingezeichneten Muster entlang oder völlig frei) oder mit Rulern.

Sprich Maschine bewegt sich, Stoff bleibt an Ort.

Um es mit Leinwandmalerei zu vergleichen: die Leinwand ist der Quilt, der Pinsel ist die Nadel. Also so grob ungefähr.

 

Ich habe hier mit einer BERNINA Q24 Langarmmaschine qequiltet. Die Maschine ist 3.60m lang und 1.20m breit, es gibt sie aber auch noch in einer etwas kleineren und einer etwas grösseren Version. Die Höhe lässt sich verstellen, ebenso wie die Griffe. Dadurch, dass Unter- und Oberstoff eingespannt sind, werden Falten beim Quilten vermieden. 

Bernina Longarm Q24

Verwendetes Material

Quilttop:

3 verschiedene uni-Stoffe aus der Kollektion 1000 Colors Collection von Lecien

 

Vlies:

weiches, flauschiges Wollvlies

 

Quiltrückseite & Binding:

der grün-goldene uni-Stoff, welcher ich auch für das Top verwendet habe

 

Quiltgarn:

3 verschiedene Farbkonen von So Fine! von Superior Threads (Polyester, 50/3)

Quilting-Prozess

Ich bin ja noch nicht so die langjährige, geübte Quilterin. Eigentlich ist das ja mein erster, nicht im – beziehungsweise parallel zum – Nahtschatten gesteppter Quilt überhaupt. Und so habe ich mich fleissig durch Pinterest geklickt und free-motion quilting design-Bücher studiert und immer wieder diverse Muster geübt, indem ich sie auf Papier zeichnete. Immer wieder. Im Zug, am Strand, beim Warten auf die Kinder. Schnell habe ich gemerkt, dass es Muster gibt, die mir in der Hand liegen und andere, die mir quasi gegen den Strich gingen. Und so kristallisierte sich mit der Zeit eine Quiltmuster-Idee heraus.

 

Ich wollte möglichst viel freihändig quilten. Gerne mit Schwung. Deshalb die Federn ('Feathers') und Pebbles. Um das Pebbles-Muster etwas aufzulockern, habe ich immer wieder Peapods dazwischen reingequiltet, die Idee hatte ich aus dem Buch "Shape by Shape - Free-motion Quilting with Angela Walters". Allerdings bereute ich dies nach einer Weile, weil ich für diese 'Erbsenschoten' nie den richtigen Schwung herausbekommen hatte.

Aus dem gleichen Buch liess ich mich auch für die Triangels inspirieren. Ich wollte einerseits einen Kontrast zu den vielen Rundungen und andererseits reizte es mich doch ein wenig, auch mit Rulern zu arbeiten. Die Ruler kamen übrigens auch bei den türkis-goldenen "Laternen" (für mich sehen sie zumindest so aus, diese grossen, geschwungenen Dinger, die ich dann mit den Federn gefüllte habe) zum Zuge: ich steppte das Muster jeweils parallel zum Nahtschatten ab, innen und aussen.

Die goldene Mitte in den Laternen erinnern mich an ein Zirkuszelt. Für die Halbbögen habe ich ebenfalls Ruler verwendet und die "Notenschlüssel" – oder im englischen 'figure eight' genannt – sind wieder freihandgequiltet. 

 

Anfangs zeichnete ich die Muster vor, mit der Zeit liess ich diesen Schritt ganz weg. Ich habe mich an wenige, einfachere Quiltingmuster gehalten. Wenn ich jetzt den fertigen Quilt anschaue ist es spannend zu sehen, wie sich meine Quiltfähigkeiten von oben (Anfangs) nach unten (gegen Ende) verbessert hat. Vor allem bei den Federn lässt sich eine relativ steile Lernkurve feststellen...

 

Die Herausforderung für mich beim freihändigen Langarmquilten war es, 'loszulassen' und den Händen, den Armen die Steuerung zu überlassen. Wenn man das schafft, wird man mit einem tollen Flow-Gefühl belohnt! Ein Gefühl wie Tanzen! Sehr befreiend :-) 

Ganz ehrlich, noch weiss ich nicht genau, was die Bestimmung dieses Quiltes ist: mit seiner Grösse von 148x170cm reicht er nicht als Bettüberwurf. Ich habe überlegt, ihn als Wandquilt aufzuhängen. Aber wo? Und als weitere Kuscheldecke auf dem Sofa ist er mir momentan fast zu schade. Darum liegt er aktuell hauptsächlich noch zusammengerollt auf der Seite und wird von Zeit zu Zeit hervorgeholt und bestaunt. Ein wenig Stolz bin ich nämlich schon auf meinen ersten Longarm-Quilt und freue mich immer wieder über seinen Anblick . :-)

Doch als Wandquilt? ;-)
Doch als Wandquilt? ;-)

Ich habe versucht, nicht zu viel aber doch das Wesentliche über meinen Quilt zu schreiben. Falls sich jemand für weitere Details interessiert, einfach fragen! Ich antworte gerne :-)

 

zufriedene Grüsse,

Franzisca / brennnesselein


Bezugsquellen & sonstige Links:

 

Quiltmuster:

Deco The Halls Quilt von Sew Kind of Wonderful

 

Stoffe für Quilttop & -Rückseite, sowie für das Binding:

diverse uni-Stoffe aus der Kollektion '1000 Colors Collection' von Lecien, gekauft bei Cotton&Color

 

Garnkonen (Superior Threads, So Fine!) sowie Wollvlies direkt im Creative Center Bernina in Steckborn gekauft.

 

Gequiltet an einer Bernina Q24 Longarm im Creative Center in Steckborn/Schweiz

Es werden Wochenendworkshops angeboten und auch Quiltabende im Abo, z.B. 'Selbstgequiltet!' (Langarm-Basiskurs wird vorausgesetzt)

 

 

***alles selber gekauft und bezahlt***


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Kommentare: 6
  • #1

    eSTe (Montag, 08 Juli 2019 21:14)

    Hallo Franzisca,
    ganz große Klasse, dein erster, nicht im Nahtschatten gequilteter Quilt ;-D. Zudem hast du sehr anschaulich und interessant von deinen Erlebnissen beim Longarm-Quilten erzählt. Ich mühe mich auf meiner Nähma (auch mit Hilfe des von dir erwähnten Buches) ab. Für freemotion fehlt mir absolut der Übungswille (noch). Longarm ist wegen der räumlichen Distanz auch keine Option. Dein großartiger Erfolg wird dich bestimmt bald zu neuen Taten drängen - und ich kann gut verstehen, dass du das gute Teil erstmal ganz oft streicheln willst.
    LG eSTe

  • #2

    Franzisca (Dienstag, 09 Juli 2019 11:49)

    Liebe eSTe

    Vielen Dank für deinen Kommentar - ich freue mich sehr darüber! Ich habe tatsächlich das Glück, dass das Creative Center mit den Longarmmaschinen in meiner Nähe ist, ansonsten wäre ich wohl in 5 Jahren noch nicht fertig ;-)
    Lustig, ich mag freemotion am Liebsten - da kann ich nämlich immer sagen "Das muss so sein" ;-) ich halte mich nämlich oft nicht strikt an bestimmte Muster, sondern lasse meiner Kreativität auch gerne auf ein paar Reststücken ihren Lauf, oft eher unkonventionell. Diese Kreativitätsausbruchsprobestücke lassen sich dann jenachdem später übrigens gut als Topflappen weitervernähen.

    Herzliche Grüsse,
    Franzisca

  • #3

    Frédérique (Donnerstag, 11 Juli 2019 18:59)

    Wow, lovely quilt, and gorgeous quilting!

  • #4

    Franzisca (Samstag, 13 Juli 2019 09:49)

    Thank you Frédérique! :-)

  • #5

    ELFi (Samstag, 13 Juli 2019 11:41)

    Servus Franzisca!
    Danke für die eindrucksvolle Geschichte zu dieser imposanten Maschine. Dein Quilt ist wirklich schön geworden und du kannst stolz drauf sein! Ich freue mich, dass du ihn beim DvD zeigst. Ich wünsch dir ein schönes Wochenende!
    ELFi

  • #6

    Franzisca (Sonntag, 14 Juli 2019 18:36)

    Danke liebe ELFi! Und ich bin immer wiedermal gerne bei deiner Dings vom Dienstag-Linkparty! :-)
    Liebe Grüsse,
    Franzisca